- Rückblick und Ausblick -
von Gerhard Deimling
I. Gründung und Entwicklung
Im September 1987 schlug der damals
amtierende Rektor der Bergischen Universität - Gesamthochschule Wuppertal im
Zusammenhang mit der Ankündigung der Einrichtung einer Stiftungsprofessur für
Gerontologie vor, ein Institut für gerontologische Forschungen an der
Universität Wuppertal zu gründen, an dem bestimmte, an der Universität
vertretene Fachgebiete mit ihren Forschungs- und Lehrkapazitäten beteiligt
werden sollten. Am 6. Januar 1988 bereitete ein Ausschuß1 die Gründung des Trägervereins vor. Die
formelle Konstituierung durch die Mitgliederversammlung und die Beantragung der
Eintragung ins Vereinsregister beim Amtsgericht Wuppertal fand am 2. Februar
1988 in den St. Antonius-Kliniken Wuppertal statt.
Am 28. Juni 1988 stellten die Mitglieder des
Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften, die zugleich Mitglieder des ISOGAM
waren, folgenden Antrag an den Fachbereichsrat, den dieser auch beschloß:
"Der
Fachbereichsrat des Fachbereichs 1 übernimmt den Antrag des Vorstands des ISOGAM
vom 23. 6. 1988 auf Anerkennung des ISOGAM als wissenschaftliche Einrichtung
des Fachbereichs 1 der Bergischen Universität - Gesamthochschule Wuppertal
(An-Institut) nach § 36 WissHG voll. Er bittet das Rektorat, alles weitere zu
veranlassen, was die baldige Realisierung des Antrags fördert"2.
Der Dekan des Fachbereichs
Erziehungswissenschaften teilte dem Rektor in einem Schreiben vom 28. November
1988 mit, daß sich der Fachbereichsrat auf Antrag von Prof. Dr. Boucsein mit
dem Projekt der Institutsgründung und mit den Kooperationsabsichten der
Bergischen Universität - Gesamthochschule Wuppertal befaßt habe und beide
Absichten im allgemeinen begrüße. Allerdings stieß die damals ins Auge gefaßte
Form der Kooperation auf Ablehnung, weil die in der Präambel der Satzung
genannten Fachdisziplinen Medizin, Sozialwissenschaften und Ergonomie "als
zu schmal angesehen werden, so daß Möglichkeiten der konkreten Anbindung in
Forschung und Lehre nicht ersichtlich sind"3.
1) Teilnehmer waren die Professoren Beckmann, Deimling, Dienel, Füsgen,
Häußling, Schmutzler und Wachtler sowie der Aufsichtsratsvorsitzende der St.
Antoniuskliniken, Dr. Neu, und der Geschäftsführer der Kliniken, Stöhr.
2) Drucksache 27/88 FBR des FB 1. Antragsteller waren die Profesoren Beckmann,
Borchert, Deimling, Dienel, Grymer und Wachtler.
3) Schreiben des Dekans des Fachbereichs Erziehungswissenschaften vom 28.
November 1988 (Schm/Za) an den Rektor der Bergischen Universität -
Gesamthochschule Wuppertal.
Am 6. Dezember 1988 beschloß der Senat der
Universität ohne Gegenstimme, beim Minister für Wissenschaft und Forschung des
Landes Nordrhein-Westfalen zu beantragen, dem Institut den Status eines
An-Instituts zuzuerkennen. Nach dem Wechsel im Vorstand des Instituts im
September 1989 wurde in Zusammenarbeit mit dem Justitiar der Universität ein
Kooperationsvertrag ausgearbeitet, der den vorgebrachten Bedenken des
Fachbereichs Erziehungswissenschaften Rechnung trug: die §§ 1 und 6 schreiben
eine gleichberechtigte Mitwirkung der Fachbereiche Gesellschaftswissenschaften
und Erziehungswissenschaften, vertreten durch ihre Dekane, verbindlich vor.
Durch Erlaß des Ministers für Wissenschaft und Forschung vom 7. Juni 1990 wurde
dem Antrag der Bergischen Universität - Gesamthochschule stattgegeben und das
Institut als An-Institut errichtet. Am 13. September 1990 fand im Seniorenheim
der Max-Halbach-Stiftung in Wuppertal die feierliche Unterzeichung des Kooperationsvertrags
zwischen der Universität und ISOGAM durch den Rektor und den Vorsitzenden des
Instituts in Anwesenheit der Oberbürgermeisterin der Stadt Wuppertal, Frau
Ursula Kraus, statt. In Zusammenarbeit mit Designern der Universität wurde
ein Signet entwickelt, das den Bergischen Löwen in Verbindung mit dem Namen des
Instituts und einer Signalfarbe zeigt.
Seit der Institutsgründung wurden von den
Mitgliedern zahlreiche Forschungsprojekte zu soziologischen, psychologischen,
erziehungswissenschaftlichen, geriatrischen, gerontopsychiatrischen,
rehabilitationsmedizinischen, internistischen, wirtschafts- und
sozialgeographischen sowie rechtswissenschaftlichen Themen durchgeführt und
abgeschlossen, über die in den zweijährlich erscheinenden Forschungsberichten
ausführlich berichtet wurde. Von Institutsmitgliedern wurden Dissertationen,
Diplom- und Staatsexamensarbeiten im Anschluß an gerontologisch relevante
Lehrveranstaltungen der gesellschafts- und erziehungswissenschaftlichen
Fachbereiche angeregt, betreut und begutachtet. Als Gutachter wirkten
Institutsmitglieder im Rahmen interdisziplinärer Kooperationen außerdem an zwei
Habilitationsverfahren mit. Im "Handbuch Hochschulen in
Nordrhein-Westfalen" wird als einziger gesellschaftswissenschaftlicher Forschungsschwerpunkt
der Universität in Zusammenarbeit mit ISOGAM "Soziale Gerontologie und
Alternsmedizin" genannt4.
Auf der Ausstellung "Abenteuer Wissenschaft" anläßlich des 25jährigen
Bestehens der Universität - Gesamthochschule Wuppertal am 25. Oktober 1997 in
der Uni-Halle waren ISOGAM-Mitglieder mit zwei Forschungsprojekten vertreten:
Leiter des Projekts "Computergestütztes neuropsychologisches Training bei
Alzheimer- Patienten und kognitiv beeinträchtigten Altenheimbewohnern" war
Privatdozent Dr. Rüdiger Baltissen. Das Projekt "Spezielle Probleme bei
der medikamentösen Therapie im Alter" wurde von Prof. Dr. med. Thomas R.
Weihrauch vorgestellt.
4) Handbuch Hochschulen in Nordrhein-Westfalen. Teil 2: Die Hochschulen. Daten, Studienangebote, Anschriften, hrsg. vom Ministerium für Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen, Pressereferat, Düsseldorf 1993, S. 78.
Seit dem Jahr der Institutsgründung hat sich
der Vorstand nachdrücklich um die Allokation von Mitteln zum Zweck der
Einrichtung eines Zusatzstudiums für Gerontologie bemüht. Der Rektor
beantragte bereits im Juli 1988 beim Ministerium für Wissenschaft und Forschung
des Landes Nordrhein-Westfalen eine Stelle des wissenschaftlichen Dienstes als
Mehrbedarf für ISOGAM5. Dieser
Antrag blieb bisher ohne Erfolg. Trotz der Zurückhaltung des Ministeriums setzt
sich der Vorstand weiterhin für die Errichtung einer Professur mit
Folgepersonal für Soziale Gerontologie ein, um Studenten und Absolventen
verschiedener Studienrichtungen wegen steigender Nachfrage eine
Qualifizierungsmöglichkeit für gerontologische Arbeitsfelder zu erschließen.
Die Tatsache, daß Absolventinnen und Absolventen mit einschlägigen sozial- oder
erziehungswissenschaftlichen Diplomarbeiten und Dissertationen inzwischen
Leitungsaufgaben in verschiedenen Einrichtungen der Altenpflege und Altenhilfe
übernommen haben, unterstreicht die Richtigkeit und Wichtigkeit der bisherigen
Bemühungen. Um nichts unversucht zu lassen, wurden vom Vorstand mehrere
Gespräche mit zuständigen Behörden über eine gesicherte Finanzierung der
Institutsarbeit geführt. Von ISOGAM-Mitgliedern wurde dem Fachbereichsrat des
Fachbereichs Gesellschaftswissenschaften schon am 14. Januar 1991 ein
Strukturkonzept für das Zusatzstudium Soziale Gerontologie vorgelegt, das vom
Fachbereichsrat am 23. Januar 1991 zustimmend zur Kenntnis genommen und
beschlossen wurdet6. - Erst
zum 1. Juli 1997 wurde seitens der Hochschulleitung mit der Bereitstellung
einer halben wissenschaftlichen Hilfskraftstelle ein erster Schritt zur
Konsolidierung der vielfältigen wissenschaftlichen und administrativen der
Arbeit von ISOGAM getan. Als dringendes Desiderat bleibt jedoch die Einrichtung
einer angemessen dotierten, unbefristeten Vollzeitstelle zur Durchführung
dringender Koordinierungsaufgaben und zur Wahrnehmung wissenschaftlicher
Aufgaben in Forschung und Lehre bestehen.
5) Senatsdrucksache 78/88 vom 15. Juli 1988 den langfristigen Personalbedarf
auch unter Berücksichtigung von Forschungs-/Lehrschwerpunkten betreffend unter
Bezug auf den MWF-Erlaß III B 1 - 6030/ 130 vom 13. 6. 1988.
6) Beschluß Nr. 116.
Über die universitäts- und institutsinternen
Aktivitäten hinaus hat sich ISOGAM mit Erfolg um die Herstellung und Vertiefung
von Forschungskontakten mit in- und ausländischen Instituten und
Wissenschaftlern bemüht, wie die lange Liste der Referentinnen und Referenten
zeigt, die zu den wissenschaftlichen Diskussionen in den
Mitgliederversammlungen und zu den Bergischen Gerontologietagen eingeladen
wurden. ISOGAM-Mitglieder waren zu zahlreichen Vorträgen und Expertenhearings
im In- und Ausland eingeladen. Besonders hervorgehoben zu werden verdienen die
Kontakte zu Universitäten und Instituten in Lódz (Polen), Bratislawa (Slowakei)
und Ascona (Schweiz). Anfang Oktober 1997 war eine Delegation des
vietnamesischen Gesundheitsministeriums aus Hanoi unter Leitung des
stellvertretenden Gesundheitsministers Prof. Dr. Le Van Truyen und des Dekans
der Pharmazeutischen Fakultät der Universität Hanoi Gast des Instituts. Im
Verlauf der wissenschaftlichen Veranstaltung wurden Sondierungsgespräche über
eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet interkulturell vergleichender
sozialgerontologischer Forschung über Probleme des Alterns in einer
kinderreichen und einer kinderarmen Gesellschaft geführt und weitere Kontakte
vereinbart.
II. Tätigkeit der Organe
In den Anfangsjahren des Instituts war die Mitgliederversammlung
vornehmlich mit der Institutsgründung, der inneren Organisation und mit den
damit verbundenen Aufgaben der Satzungsgebung und Vertragsgestaltung befaßt.
Der wechselseitigen Information der Mitglieder über beabsichtigte, laufende und
abgeschlossene Forschungsprojekte diente zunächst ein regelmäßig in die
Tagesordnung aufgenommener Berichtspunkt. Von 1992 an wurden dann die
Mitgliederversammlungen als teilweise öffentliche und nichtöffentliche
Sitzungen durchgeführt, an denen im öffentlichen Teil Doktoranden, Diplomanden
und interessierte Nichtmitglieder teilnahmen. Der wissenschaftliche Charakter
des öffentlichen Sitzungsteils wurde durch die behandelten Themen aus
verschiedenen Wissenschaftsbereichen besonderes betont. Es wurde über folgende
Themen referiert und diskutiert:
-
Dr. med. dent. Hans Kegel, Der
zahnlose Unterkiefer des alten Menschen und seine prothetische Versorgung
- Prof. Dr. phil. Gerhard Deimling, Bericht über eine Längsschnittstudie zur
Suizidalität alter Menschen
- Frau Dipl.-Des. Quinten, Alter und Behinderung - Chance und Herausforderung
des Designs
- Prof. Dr. med. Johannes Köbberling, Osteoporose - Die "neue" Volkskrankheit
älterer Menschen
- Prof. Dr. rer. pol. Günther Wachtler, Nachberufliche Erwerbstätigkeit von Rentnerinnen und
Rentnern
- Prof. Dr. phil. Gerhard Deimling, Gewalt gegen alte Menschen
- Prof. Dr. med. Rolf Schmutzler, Entstehung und Behandlung arterieller
Gefäßverschlüsse
- Prof. Dr. med. Johannes Köbberling, Ältere Diabetiker in Altenpflegeheimen
- Privatdozent Dr. med.
Dipl.-Sozialwissenschaftler Ludger Pientka, Das geriatrische Assessment
- Frau Oberärztin Dr. med. A. Welz-Barth, Inkontinenz - Ein Tabuthema, das erfolgreich
behandelt werden kann
- Privatdozent Dr. rer. nat. Dipl.-Psych. R.
Baltissen, Computergestütztes
neuropsychologisches Training bei Alzheimer-Patienten in einer kontrollierten
Studie.
Der Mitgliederbestand hat sich in den
vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Um jungen
Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern den Zugang zu ISOGAM zu
erleichtern, beschloß die Mitgliederversammlung 1997 eine Änderung der Satzung,
die vorsieht, geeigneten, befähigten und durch erste wissenschaftliche
Leistungen ausgewiesenen Personen den Status von assoziierten Mitgliedern
zuzuerkennen. Außer den wissenschaftlichen Mitgliedern, die die Mehrheit der
Mitgliederversammlung stellen, gehören mit vollem Stimmrecht die
Sozialdezernenten der Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal dem Institut an.
Aus Anlaß des zehnjährigen Bestehens des Instituts beschloß die
Mitgliederversammlung am 14. Mai 1997 erstmalig, eine Ehrenmitgliedschaft zu
verleihen. Mit ihr soll der ehemalige Rektor der Bergischen Universität -
Gesamthochschule Wuppertal (1983-87), Prof. Dr. phil. Johannes Josef Maria
Häußling, als Anreger und Gründungssvorsitzender (1988-1989) des ISOGAM geehrt
werden. Die Urkunde soll zu Beginn des Jahres 1998 im Rahmen einer regulären
Mitgliederversammlung übergeben werden.
Die Mitglieder des aus fünf Personen
bestehenden Vorstands haben in den zurückliegenden Jahren die Geschäfte des
Instituts ehrenamtlich und unentgeltlich in wechselseitigem Vertrauen und im
Geiste konstruktiver, kollegialer Zusammenarbeit geführt, obwohl jedes Mitglied
in seinem Beruf voll gefordert war. Die ca. 50 Sitzungen fanden überwiegend am
späten Nachmittag statt und dauerten etwa drei bis vier Stunden. Die meist
umfangreiche Tagesordnung wurde sorgfältig abgearbeitet, über ausgeführte
Aufträge wurde ausführlich berichtet. Den größten Zeitaufwand forderten
Diskussionen über die für erforderlich gehaltenen Schritte des stetigen
konzeptionellen und sachlichen Ausbaus des Instituts unter Berücksichtigung der
Beschlüsse und Empfehlungen der Mitgliederversammlung. Sein besonderes
Augenmerk richtete der Vorstand außerdem auf die Einwerbung von Mitteln, die
insbesondere für die Durchführung und Finanzierung der Bergischen
Gerontologietage bestimmt sind. Die Verantwortung für die Einwerbung von
Drittmitteln für bestimmte Forschungsprojekte liegt z. Z. noch bei den
einzelnen Projektleitern, die unmittelbar und persönlich die Ausgaben mit den
Drittmittelgebern abrechnen. Der Vorstand beabsichtigt jedoch im Falle einer
ausreichenden eigenen Personalausstattung, Drittmittel für unmittelbar
institutsbezogene Forschung i. S. von § 3, Abs. 1, Nrn. 1-4 der Satzung zu
akquirieren und Forschungsprojekte anzuregen.
Der z. Z. aus sechs Personen bestehende Beirat
konnte seine Aufgaben nach § 8, Abs. 3 der Satzung wegen der oben näher
beschriebenen strukturellen Probleme nur teilweise erfüllen. Das erhoffte und
für die Weiterentwicklung des Instituts notwendige Feed-back zu den im
Kooperationsvertrag genannten Fachbereichen kam wegen der Nichtpräsenz der
geborenen Mitglieder (§ 8, Abs. 1) leider nicht zustande. Eine besondere
Anerkennung des Instituts verdienen die Bereitsmitglieder Prof. Dr. Dr. h. c.
E. Schraufstetter, Prof. Dr. Thomas R. Weihrauch und der vormalige Vorsitzende
der Senioren-Union, Gerhard Braun (MdB), die in der Mitgliederversammlung und
in der unmittelbaren Beratung des Vorstands die Tätigkeit des Instituts
tatkräftig und uneigennützig unterstützt haben.
III. Bergische Gerontologietage
Seit 1988 wurden die Bergischen
Gerontologietage in ununterbrochener Folge im Großen Hörsaal der Bergischen
Universität durchgeführt und von durchschnittlich 150 Teilnehmern aus
Wissenschaft und Praxis der bergisch-märkischen Region besucht. Die
Veranstaltungen wurden vom Rektor der Universität und - in turnusmäßigem
Wechsel - von den Oberbürgermeistern der Städte Remscheid, Solingen und
Wuppertal eröffnet. Der individuellen Begegnung und dem persönlichen
Gedankenaustausch diente stets das gemeinsame Frühstück in einem angrenzenden
Raum.
Die erste Veranstaltung fand am 3. Dezember
1988 statt und behandelte in acht Vorträgen gerontopsychologische und -psychiatrische
sowie praxisbezogene Probleme der Pflege alter Menschen. - Die folgende
Tagung am 2. Dezember 1989 setzte sich in sozialwissenschaftlicher,
psychologischer und medizinischer Perspektive mit dem Wandel der
Lebensorientierung im Alter auseinander. In zwei Parallelveranstaltungen
wurden außerdem geriatrische und pflegerische Probleme erörtert. - Der 3.
Bergische Gerontologietag am 1. Dezember 1990 stand unter dem Leitthema "Diabetes
im Alter", zu dem mehrere Diabetologen referierten. Außerdem wurden
gerontostomatologische Probleme in epidemiologischer Sicht diskutiert. Ein
sozialwissenschaftlicher Beitrag befaßte sich mit den Ergebnissen eines
Forschungsprojekts zum Thema "Gewalt gegen alte Menschen". -
Die am 30. November 1991 durchgeführte Veranstaltung war dem wissenschaftlichen
und praktischen Gedankenaustausch mit Geriatern und Geragogen aus Polen,
Deutschland und der Slowakei gewidmet. Staatssekretär Albrecht
Hasinger vom Bundesministerium für Familie und Senioren stellte die
Seniorenpolitik der Bundesregierung vor. Der Vorsitzende der Senioren-Union,
Gerhard Braun, befaßte sich mit der Frage, ob die Gesundheitsversorgung alter
Menschen in Anbetracht des demographischen Wandels der Bevölkerung noch zu
bezahlen sei. Fachärzte behandelten pflegerisch relevante Probleme der
Schlafstörungen bei psychiatrischen Erkrankungen, der medikamentösen Therapie
sowie des hüftnahen Oberschenkelhalsbruchs. Aus soziologischer Perspektive
wurden Forschungsergebnisse über Häufigkeiten, Erscheinungsformen und geschlechtsspezifische
Ausprägungen von Suiziden in höherem Lebensalter auf der Basis einer zehn
Jahrgänge umfassenden Aktenstudie vorgestellt. - Die 5. Tagung am 14. November
1992 galt dem Hauptthema "Offene und teilstationäre Hilfen für ältere
Menschen in ihrem Wohnumfeld". Im Mittelpunkt standen verschiedene
Modelle offener Altenhilfe in kommunaler und freier Trägerschaft, die ambulante
häusliche Krankenpflege aus der Sicht privater Pflegebetriebe sowie die
therapeutischen Möglichkeiten der Tageskliniken. Eine Podiumsdiskussion mit den
für die Altenhilfe zuständigen leitenden Beamten der Städte Ennepetal,
Remscheid, Solingen und Wuppertal, in die das Auditorium einbezogen wurde,
beschloß die überdurchschnittlich gut besuchte Veranstaltung. -
Unter dem Leitthema "Psychische und
soziale Veränderungen im Alter" stand die Tagung am 13. November 1993.
Auf den lebendigen und mit viel Beifall aufgenommenen Hauptvortrag von Prof.
Dr. Dr. h. c. Boris Luban-Plozza (Ascona) über "Krankheit und Seele im
Alter" folgten Kurzvorträge über Früh- und Differentialdiagnose der
Hirnleistungsstörungen im Alter sowie über kognitive Leistungs- und
Gedächtnistrainings. Ein internistischer Vortrag befaßte sich mit der
Lebenssituation des älteren Dialysepatienten. Ein Jurist erörterte praxisnah
die Probleme der Heimunterbringung und der Heilbehandlung nach neuem
Betreuungsrecht. Die soziologischen Beiträge analysierten die soziale Rolle
alter Menschen im komplexen Beziehungsnetz von Familie, Nachbarschaft und
nachberuflicher Erwerbstätigkeit. - Am 12. November 1994 wurde das Thema "Mobilität
im Alter" unter unfall- und wiederherstellungschirurgischer,
verkehrspsychologischer und juristischer Sicht behandelt. Auf besonderes
Interesse der Hörer stießen die aus verschiedenen wissenschaftlichen
Blickwinkeln vorgetragenen Ausführungen der Referenten zum Thema
"Fahrtüchtigkeit im Alter". Ein Vertreter des Ministeriums für
Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen machte die Hörer
im einleitenden Hauptreferat mit der Sozial- und Altenpolitik des Landes
bekannt. - Auf dem 8. Gerontologietag am 18. November 1995 stand das Thema "Bildung
im Alter" im Zentrum der Vorträge und Diskussionen. Der Bonner
Soziologe Prof. Dr. Dr. h. c. Friedrich Fürstenberg und der Wuppertaler
Erwachsenenbildner Prof. Dr. H. J. Müller steckten den theoretischen
Bezugsrahmen der Veranstaltung ab. Anhand unterschiedlicher in- und
ausländischer Modelle des universitären Seniorenstudiums wurden sodann
konzeptionelle, curriculare und bildungstheoretische Aspekte behandelt. Zwei
informative Erfahrungsberichte aus der kommunalen und kirchlichen
Seniorenbildung ergänzten das breite Themenspektrum. - Kurz nach der Einführung
der Pflegeversicherung in Deutschland stand der 9. Gerontologietag am 16.
November 1996 unter dem Leitthema "Zukunft der Pflege". Aus
der Perspektive des Bundes und des Landes wurden die Zielvorstellungen und die
Probleme der praktischen Umsetzung der Pflegeversicherung erörtert. In der
Diskussion der Einzelaspekte pflegerischer Praxis, z. B. Inkontinenzbehandlung,
Alterschirurgie, psychosoziale Betreuung älterer Typ II-Diabetiker und
Vermeidung von Gewalt in der Pflege, wurde exemplarisch aufgezeigt, daß die
ganzheitliche Erfassung des Lebenszusammenhangs Älterer eine grundlegende
Voraussetzung für ihre erfolgreiche Therapie ist. - Der 10. Bergische
Gerontologietag am 15. November 1997 schließlich befaßte sich unter dem
Leitthema "Geschlechtsspezifisches Altern" mit differentiellen
Untersuchungen zur demographischen, sozio-ökonomischen, psychologischen,
psychiatrischen, neurologischen und allgemeinmedizinischen Beurteilung der
Faktoren, die mutmaßlich die unterschiedlichen Morbiditäts- und
Mortalitätsraten von Männern und Frauen bedingen.
Die Reihe der Bergischen Gerontologietage
wird wegen des anhaltend großen Zuspruchs der Öffentlichkeit fortgesetzt.
An den zehn Bergischen Gerontologietagen
wirkten die folgenden Referentinnen, Referenten, Diskussionsleiter und
Moderatoren mit:
Ruth Balten
Privatdozent Dr. rer. nat. Rüdiger Baltissen
Oberarzt Dr. med. Bartens
Prof. Dr. rer. nat. Dieter Beckmann
Oberregierungsrat Borosch, MAGS, Düsseldorf
Prof. Dr. rer. nat. Wolfram Boucsein
Bundestagsabgeordneter Gerhard Braun
Dr. Regina Büscher
Bärbel Busch
Dr. Brygida Butrymowicz, Lódz
Ltd. Arzt Dr. med. K. Damanakis
Prof. Dr. phil. Gerhard Deimling
Bürgermeister Kurt Drees, Wuppertal
Beigeordneter Bernd-Ulrich Drost, Solingen
Ärztin Dr. med. Marie-Louise Fasshauer
Stadtdirektor Reinhard Fischer, Ennepetal
RA Dr. jur. Dietrich Fudickar
Prof. Dr. rer. pol. Dr. h. c. Friedrich Fürstenberg
Chefarzt Prof. Dr. med. Ingo Füsgen
Dr. rer. nat. Gerd Glaeske
Prof. Dr. rer. pol. Herbert Grymer
Prof. Dr. phil. Hartmut Häcker
Stadtdirektor Karl-Manfred Halbach, Remscheid
Dr. med. Harlacher
Staatssekretär Albrecht Hasinger, Bonn
Medizinaldirektor Dr. Günther Hartmann
Prof. Dr. phil. Johannes Josef Maria Häußling
Chefarzt MD Ladislav Hegyi, PhD, Malacky (Slowakei)
Oberarzt Dr. med. Dietmar Hein
Privatdozent Dr. med. Robert Heinrich
Privatdozent Dr. med. Gerhard Hintze
Rektor Prof. Dr. rer. pol. Dr. h. c. Erich Hödl
Dr. med. Helene Höhler
Dipl.-Sozialwissenschaftlerin Beatrice Hungerland
Prof. Dr. med. Karl Jahnke
Chefarzt Prof. Dr. med. Johannes Jörg
Staatssekretär Karl Jung, Bonn
Oberbürgermeister Gerd Kaimer, Solingen
Dr. med. dent. Hans Kegel
Ltd. Ministerialrat Ulrich Kinstner, MAGS, Düsseldorf
Chefarzt Dr. med. Eckart Kinzler
Chefarzt Prof. Dr. med. Johannes Köbberling
Oberbürgermeisterin Ursula Kraus, Wuppertal
Dipl.-Soz. Marianne Krautmacher
Dipl.-Soz. Ursula Kremer-Preiß, Berlin
Dr. med. Wolfgang Kruse
Dipl.-Psych. Dr. phil. Sabine Kühnert, Dortmund
Dr. phil. Sven Lind
Chefarzt Prof. Dr. med. Dr. h. c. Boris Luban-Plozza, Ascona
Dipl.-Sozialwissenschaftlerin Martha Meyer
Ingrid Dürr-Monzel
Prof. Dr. Aloiza Teresa Muchnicka-Djakow, Lódz
Rektor Prof. Dr. phil. Dr. h.c. Siegfried Maser
Prof. Dr. phil. Hermann Josef Müller, M. A.
Prorektor Prof. Dr. rer. nat. Peter C. Müller
Chefarzt Prof. Dr. med. Karl-Heinz Müller
Dr. med. Hans-Joachim Naurath
Chefarzt Dr. med. H. G. Nehen
Prof. Dr. rer. nat. Erhard Olbrich
Dipl.-Sozialwissenschaftlerin Jasna Omic
Prof. Dr. med. Josef Phillip
Oberarzt Dr. med. Rupert Püllen
Heimleiter Holger Reinders
Dipl.-Psych. Rüdiger Saniter
Dipl.-Volkswirtin Ulla-Kristina Schuleri-Hartje, Berlin
Dr. med. Heinrich Sprang
Gertrud Stöcker
Oberbürgermeister Reinhard Ulbrich, Remscheid
Ursula Freifrau von Gagern-Unkel
Prof. Dr. rer. pol. Günther Wachtler
Dipl.-Sozialwissenschaftlerin Petra Sabine Wagner
Prof. Dr. Thomas R. Weihrauch
Oberärztin Dr. med. A. Welz-Barth
Beigeordneter Herbert Wilts, Wuppertal
stud. rer. soc. Inge Woeste
Richter Hans-Bernd Wömper
Prof. Ernst-Otto Wolfshohl
Pflegedienstleiter Wolfgang Worm
Heimleiterin Ursula Wortmann.
IV. Fazit und Ausblick
Nach der ersten Dekade kann, was die Eigenleistung
des Instituts angeht, eine positive Bilanz gezogen werden: dank des
uneigennützigen Einsatzes eines großen Teils seiner Mitglieder konnten
wissenschaftlich hochwertige Forschungsleistungen erbracht werden, die sowohl
in einer großen Zahl wissenschaftlicher Publikationen als auch in der
unmittelbaren Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis und in die Weiterbildung
der Altenpflege und -hilfe ihren Niederschlag fanden.
Das Institut hat sich durch zahlreiche
wissenschaftliche Kontakte in die in- und ausländische Scientific Community
eingebunden. Die nachhaltige Unterstützung seiner auch das Profil der
Bergischen Universität günstig beeinflussenden Aktivitäten durch die
Universität selbst ist bisher leider ein Desiderat geblieben. In Anbetracht des
in den nächsten Jahren stetig wachsenden Anteils der Altenbevölkerung ist
jedoch eine Intensivierung der multi- und interdisziplinären Forschung auf dem
Gebiet der Sozialen Gerontologie dringend erforderlich. Der gesellschaftliche
Bedarf an wissenschaftlichen Erkenntnissen über die komplexen Zusammenhänge
anthropologischer, sozialer, ökonomischer, rechtlicher und medizinischer
Faktoren des Alterns wird im nächsten Jahrzehnt beträchtlich zunehmen. Eine
stärkere Akzentuierung alternsspezifischer Fragestellungen der relevanten
Wissenschaftsdisziplinen und die Allokation entsprechender Personal- und
Sachmittel ist daher angezeigt.
Nachdem ISOGAM als eingetragener Verein aus
privaten Mitteln, insbesondere durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und
ehrenamtlich geleistete Dienste, in den vergangenen zehn Jahren beträchtliche
Vorleistungen erbracht hat, wird nunmehr kurzfristig ein deutliches Signal der
Universität erwartet, durch das sie zu erkennen gibt, ihre eigene
Ausgangsposition für den zu erwartenden interuniversitären Wettbewerb im
nächsten Jahrhundert auch auf dem gesellschaftspolitisch bedeutsamen Gebiet
gerontologischer Forschung und Lehre verbessern zu wollen. ISOGAM steht mit
seinem wissenschaftlichen Potential bereit, sie dabei nach Kräften zu
unterstützen.